Das Jugendamt der Stadt Essen hat die Entwicklung im Bereich der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge (UmF) für das Jahr 2025 ausgewertet und dem Jugendhilfeausschuss heute (10.03.) vorgestellt. Die Zahlen zeigen einen deutlichen Rückgang der Zugänge sowohl bundesweit als auch in Nordrhein-Westfalen und in Essen. Gleichzeitig arbeitet die Jugendhilfe weiterhin daran, die Unterstützungsangebote für die jungen Menschen bedarfsgerecht weiterzuentwickeln.
Im Jahr 2025 sank die Zahl der in Essen zu versorgenden unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge von 395 zu Jahresbeginn auf 353 zum Jahresende. Ein ähnlicher Trend zeigt sich auch auf Landes- und Bundesebene. In Nordrhein-Westfalen reduzierte sich die Zahl von 11.220 auf 10.404, bundesweit von 44.518 auf 40.058.
Rückgang der Inobhutnahmen von rund 65 Prozent
Besonders deutlich wird der Rückgang bei den vorläufigen Inobhutnahmen nach § 42a SGB VIII. Während im Jahr 2024 noch 143 Jugendliche in Essen vorläufig aufgenommen wurden, waren es im Jahr 2025 nur noch 50. Dies entspricht einem Rückgang von rund 65 Prozent. Von diesen Jugendlichen wurden 46 Prozent im Rahmen des bundesweiten Verteilverfahrens in andere Kommunen weitergeleitet. Rund 30 Prozent verblieben in Essen, etwa aufgrund familiärer Bindungen oder gesundheitlicher Gründe. In einigen Fällen kam es zudem zu Abgängigkeiten oder weiteren fallbezogenen Klärungen im ausländerrechtlichen Verfahren.
2026 betreut Essen 353 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge
Zum Stichtag 18. Januar 2026 betreut die Stadt Essen 353 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und liegt damit leicht über der vorgesehenen Versorgungsquote von 338 Jugendlichen. Die Herkunft der jungen Menschen ist vielfältig: Die größte Gruppe stammt weiterhin aus Syrien (134 Jugendliche), gefolgt von Afghanistan (107). Weitere Herkunftsländer sind unter anderem Guinea und die Ukraine. Auch bei den Herkunftsländern der neu aufgenommenen Jugendlichen haben sich Veränderungen ergeben. Im Jahr 2025 stellten junge Menschen aus der Ukraine mit 26 Prozent erstmals die größte Gruppe der vorläufigen Inobhutnahmen, gefolgt von Jugendlichen aus Guinea und Syrien.
Die Unterbringung der Jugendlichen erfolgt in unterschiedlichen Betreuungsformen. Ein Teil lebt in Verwandtenpflegeverhältnissen, die durch erzieherische Hilfen begleitet werden. Die Mehrheit wird in stationären Einrichtungen der Jugendhilfe betreut. Für junge Volljährige bestehen zudem ambulante Unterstützungsangebote in eigenem Wohnraum.
Kapazitäten der Brückenplätze reduziert
Angesichts der rückläufigen Zugangszahlen hat die Stadt Essen im Jahr 2025 auch die Kapazitäten der sogenannten Brückenplätze reduziert. Die Zahl dieser Plätze wurde von 92 auf 34 zurückgeführt. Perspektivisch sollen zehn Inobhutnahmeplätze dauerhaft vorgehalten werden, während weitere Plätze in reguläre Jugendhilfeangebote überführt werden, um eine langfristig stabile Versorgungsstruktur zu gewährleisten.
Eine zentrale Herausforderung bleibt die Bildung und psychosoziale Situation vieler Jugendlicher. Ein Großteil verfügt über geringe oder fehlende Schulbildung. Gleichzeitig zeigen viele junge Menschen psychische Belastungen, die sich auf ihre Integration und ihre Entwicklungsperspektiven auswirken.
Neue Förderangebote für Jugendliche mit Fluchthintergrund
Vor diesem Hintergrund hat die Stadt Essen gemeinsam mit freien Trägern der Jugendhilfe neue Förderangebote entwickelt. Dazu zählt unter anderem ein therapeutisch ausgerichtetes Sprachcafé, das Stabilisierung, Tagesstruktur und Sprachförderung verbindet. Ergänzend wurde mit dem sogenannten Produktionsjahr ein praxisorientiertes Werkstattangebot aufgebaut, das Alltagskompetenzen, Motivation und grundlegende arbeitsweltbezogene Fähigkeiten stärkt. Ein weiteres Projekt zur Unterstützung von Jugendlichen mit psychischen Belastungen und Schulverweigerungstendenzen befindet sich derzeit in der Vorbereitung.
Jugendamt prognostiziert leicht rückläufige Zugangssituation
Für das Jahr 2026 geht die Stadt Essen nach aktueller Entwicklung von einer weiterhin stabilen beziehungsweise leicht rückläufigen Zugangssituation aus. Die Verwaltung wird die Entwicklungen weiterhin beobachten und den Jugendhilfeausschuss regelmäßig informieren. Insgesamt konnte die Stadt Essen die Herausforderungen im Berichtszeitraum fachlich und organisatorisch gut bewältigen. Die Versorgung der Jugendlichen war durchgehend gesichert, und die bestehenden Angebote werden kontinuierlich weiterentwickelt, um den jungen Menschen eine stabile Perspektive und bessere Integrationschancen zu ermöglichen.
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